Freitag, 1. Juni 2012

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?!


Litchis aus Indien, Mangos aus Peru, Kichererbsen aus Portugal oder vielleicht doch die Kornelkirsche aus der Slowakei?  In jedem gut sortierten Supermarkt wird der Verbraucher erschlagen, von einer schier endlos wirkenden Auswahl an Obst und Gemüse aus aller Herren Länder. Aber warum muss es immer so exotisch sein

Ein Kommentar von Nele Mielke

Im Jahre 2010 wurde Obst und Gemüse im Gesamtgewicht von 14111 Containerschiffen geerntet. Eine derartige Masse müsste doch theoretisch reichen, um Deutschland ernähren zu können – oder? Doch die Praxis sieht anders aus.

Deutschland ist die drittgrößte Importnation. Der Begriff „carbon footprint“, zu Deutsch CO2-Fußabdruck, fällt in diesem Zusammenhang häufig. Er beschreibt, welche Menge an CO2 durch Importprodukte ausgestoßen wird, verursacht durch Transport, Lagerung und Produktion.

Und genau dieser Fußabdruck hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Umwelt. Denn bei einem Obst- und Gemüsetransport im Frachtflugzeug wird laut der schwedischen Non-Profit-Organisation „Network for Transport and the Environment“ 30x mehr CO2 ausgestoßen, als bei einem Seetransport.

Wobei auch der Seetransport einige Probleme aufweist. Durch den langen und zeitintensiven Transportweg werden die Produkte zum Teil schon im unreifen Zustand geerntet, um dann im Laderaum unter Einwirkung eines Gases (z.B. „Smartfresh“) in eine künstlich erschaffene Reifepause versetzt zu werden. Laut Stiftung Warentest ist unter Experten allerdings strittig, inwieweit sich Aroma, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe verändern.

Die Globalisierung macht vor niemandem Halt und gewöhnte die Gesellschaft in der Vergangenheit an eine üppige Bandbreite an Obst- und Gemüsesorten. Zugegeben, es ist ein schwieriges Unterfangen, Deutschland von Importprodukten zu entwöhnen.

Ein erster Schritt könnte aber die Sensibilisierung für den Kauf von regionalen und saisonalen Produkten sein. Ortsansässige Bauern würden dadurch unterstützt, Deutschland würde sich weniger von Importen aus dem Ausland abhängig machen und könnte sich auch in Zukunft noch selbst ernähren - außerdem würde die deutsche Wirtschaft dadurch angekurbelt!

Der CO2-Ausstoß könnte durch den Wegfall langer Transportwege und Lagerzeiten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Zudem sind in regionalen und saisonalen Produkten durch zeitnahen Verkauf nach der Ernte bedeutend mehr Vitamine enthalten, der Verbraucher erwirbt frische Lebensmittel ohne Zusatz von Gasen oder Hormonen.

Denn letztlich ist es doch so – würden Sie nicht auch lieber einen Apfel essen, der vor Ihrer Haustür gewachsen ist, als einen, der schon einmal die Erde umrundet hat?

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